Turnarounds und Spekulationen sind Spezialsituationen, die nicht einer der anderen Kategorien (Margenstarke Unternehmen oder Wachsstumsstarke Unternehmen) zugeordnet werden können.

Zyklische Unternehmen

Zyklische Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Umsätze mit dem Konjunkturzyklus schwanken. Sie zeigen oft sehr überraschende Kursverläufe, weil sich diese nicht nur nach dem tatsächlichen Konjunkturverlauf richten, sondern bereits nach dem von den Marktteilnehmern erwarteten Konjunkturverlauf. Daher ist es bei diesen Unternehmen besonders schwierig, gute Ein- und Ausstiegszeitpunkte für eine Investition zu finden.

Zyklische Unternehmen sollten nur am Ende einer Rezession gekauft werden, d.h. wenn sich die Konjunkturdaten nach einer Rezession bereits wieder aufhellen. In besten Boom-Zeiten sollte der Verkauf nicht versäumt werden, um die oben genannten bösen Überraschungen zu vermeiden. Ein guter Einstiegszeitpunkt kann z.B. ein 10-jähriges Kurstief sein, wenn das Unternehmen ansonsten ein stabiles Geschäftsmodell und eine starke Marktposition besitzt.

Turnaround-Situationen

Eine extreme Form eines zyklischen Unternehmens ist die Turnaround-Situation. Dies bezeichnet den Fall, dass ein Unternehmen entweder durch einen besonders ungünstigen Konjunkturverlauf, durch Misswirtschaft oder durch Wegbrechen des angestammten Marktes in Existenznot gerät. Der Aktienkurs fällt in einer solchen Situation ins Bodenlose, und man sollte sich hüten, hier ohne tiefere Analyse auf die vermeintlich günstigen Kurse hereinzufallen. Der Kursverfall zieht sich meistens über längere Zeit hin, weil den Marktteilnehmern die kritische Situation erst im Laufe der Zeit mehr und mehr bewusst wird.

Erst wenn sich die Ursachen der Krise nachvollziehbar bessern, sei es durch den Wechsel zu einem nachweislich fähigeren Management, durch die Hinwendung zu einem aussichtsreicheren Geschäftsmodell oder zumindest durch eine nachhaltige Erholung der Nachfrage, sollte man einen Einstieg erwägen. Turnarounds erfordern die höchsten Analysefähigkeiten und Markterfahrungen und sollten daher nur von entsprechend versierten Investoren getätigt werden. Anfängern raten wir dringend ab und möchten stattdessen Warren Buffett zitieren: „Turnarounds seldom turn“. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Spekulationen

Als Spekulationen bezeichne ich Unternehmen, bei denen ich das Potential sehe, die Menschen zu elektrisieren. Bei denen man ins Staunen oder auch gleich ins Schwärmen gerät, wenn man von deren Idee hört, die Welt zu verändern. Die einen Wow-Effekt mit sich bringen, so wie Google 2000 mit der völlig neuartigen Suche, Apple 2010 mit dem iPhone oder Tesla nun 2020 mit der E-Mobilität. Am besten solche, bei denen man es heute noch gar nicht für möglich hält, dass das wirklich umsetzbar ist. So dass eine gute Chance besteht, dass die Zweifel, dass das gar nicht möglich ist, immer mehr zunehmen, bis die anderen Marktteilnehmer irgendwann den Schock-Moment erleben: Mein Gott, dass könnte am Ende ja doch funktionieren! Und panisch kaufen, um ihre Chance des Lebens nicht zu verpassen…
Bewertungsrelationen spielen bei der Auswahl der Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle, da sich diese Unternehmen mit den aktuellen Umsätzen (geschweige denn Gewinnen) typischerweise jenseits jedes Rahmens bewegen.
Eine besonders große Bedeutung kommt dagegen dem Gründer / CEO zu, der sich idealerweise als charismatischer Visionär im Stile eines Larry Page, Steve Jobs oder Elon Musk darstellt.