Deutschland ist, was finanzielle Bildung betrifft, ein Entwicklungsland. Wenn man sich vor Augen führt, dass weniger als 16% der Bundesbürger in die seit Jahrhunderten attraktivste Anlageklasse investieren, ist das einer modernen Industrie- und Dienstleistungsnation nicht würdig. Die Quote ist 2017 zwar gestiegen, insbesondere bei jungen Leuten unter 34 Jahren, ein Trend kann hieraus jedoch nicht abgelesen werden. Die Aktionärsquote schwankt seit 20 Jahren um die 15%. Lediglich 2001 im Hype um den Neuen Markt erhöhte sie sich kurzfristig auf 20%.

Was das Problem noch verschärft ist die Tatsache, dass insbesondere Geringverdiener nicht in Aktien investiert sind. Da sie dadurch von der besten Anlageklasse nicht profitieren, vergrößert dies die Kluft zwischen Arm und Reich.

Gleichzeitig muss man feststellen, dass viele, die es könnten, ebenfalls nicht in Aktien investiert sind. So erreichte das von den Lebensversicherern verwaltete Vermögen 2017 fast 1.000 Mrd €. Davon sind lediglich etwa 11% in fondsgebundene Versicherungen investiert. Selbst diese 111 Mrd € kann man jedoch nicht als Investition in Aktien werten, da die Kosten für solche Produkte in aller Regel den Großteil der Aktienrendite verzehren. Das Gesamtergebnis ist dadurch äußerst bescheiden. Ich weiß wovon ich spreche, da ich 2004 ebenfalls den Fehler gemacht habe, in ein solches Produkt zu investieren.

Besserung in Sicht?

Aktien gelten bei der risikoaversen deutschen Bevölkerung als „riskant“. Im Vordergrund des Bewusstseins, oder besser gesagt des Unterbewusstseins, stehen nicht die hohe Durchschnittsrendite bei langfristig hoher Sicherheit, sondern die irrationale Angst, man könne sein ganzes hart erarbeitetes Geld verlieren. Die Börse wird als identisch mit einem Casino gesehen, nur dass die Spielsteine dort „Aktien“ heißen. Doch das ist grober Unfug, und es führt dazu, dass sich an der Einstufung „Entwicklungsland“ kurzfristig wenig ändern wird. Denn dazu müsste zumindest die Bereitschaft vorhanden sein, am Status Quo etwas ändern zu wollen. Wer Angst hat, wird sich jedoch jedoch immer gegen die vermeintliche Bedrohung wehren, anstatt sachlich nach Möglichkeiten und Chancen zu suchen. Angst führt zu einer persönlichen Denkbarriere, die nur durch systematisches Arbeiten an der eigenen Persönlichkeit bekämpft werden kann. Der Aufwand entspricht etwa dem einer Psychotherapie, denn es bedeutet nichts anderes, als durch bewusstes Nachdenken und Einüben neuer Glaubenssätze an seinen Instinkten zu arbeiten und diese dadurch nachhaltig zu ändern. Oder mit den Begriffen von Daniel Kahnemann gesagt: Man müsste das „schnelle Denken“ durch das „langsame Denken“ ändern. Das kann dauern…

Was tun?

Dieser Blog möchte einen Beitrag dazu leisten, aus dem finanziellen Entwicklungsland Deutschland zumindest ein Schwellenland mit hohem Wachstum zu machen. Ein Wachstum aus fundamentalen Gründen. Er soll eine sachliche Bewertung von Aktien als Anlageklasse mit dem besten Chance-Risiko-Verhältnis bieten. „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ wusste schon Lucius Annaeus Seneca (römischer Politiker, Dichter und Philosoph, 4 v. C. –  65 n. C.).

Also wagen wir es!